Gedanken über die Zeit

Vor vielen Jahren sagte Frauke einmal beim Unterricht zu mir: "Die Schüler geben uns das Kostbarste, was sie haben - ihre Zeit - und wir tun unser Bestes, damit sie diese hier bei uns optimal verbringen. "

Über diesen Satz habe ich seitdem viel und lange nachgedacht.
Es stimmt, von all den Ressourcen, die wir haben, ist diejenige, von der wir eine absolut begrenzte Menge haben, die Zeit. Unsere Lebenszeit!
Bereits gelebte Zeit bekommen wir nicht zurück. Kein Geld der Welt kann uns mehr Zeit kaufen, keine guten Vorsätze können uns mehr Zeit geben, und dennoch nehmen die wenigsten von uns wahr, wie kostbar diese Ressource ist, und wie sie uns buchstäblich durch die Finger rinnt.
"...dafür habe ich demnächst mehr Zeit ...dafür nehme ich mir demnächst Zeit ...nächste Woche habe ich bestimmt mehr Zeit ...wir haben noch so viel Zeit...". Ihr könnt diese Liste bestimmt mit vielen, eigenen Formulierungen noch weiterführen. Tatsächlich ist es aber so, dass wir in aller Regel eben nicht mehr Zeit haben.
Wenn wir uns angucken wie viel Zeit wir in der Regel in den letzten Wochen hatten, dann ist dies ein guter Hinweis darauf, wieviel Zeit wir in den kommenden Wochen haben werden. Es sei denn, wir werden uns dem Thema Zeit auf eine ganz neue Art bewusst.

Häufig fühlen wir uns, als hätten wir zu wenig Zeit. Zu wenig Zeit für die Arbeit, zu wenig Freizeit, zu wenig Zeit für Freunde und Familie, usw. Tatsächlich haben wir viel mehr Zeit als wir es glauben, wir fragmentieren sie nur zu sehr.

Wir haben mehr Freizeit denn je, aber wir zerlegen sie in viel zu viele Einzelteile. Zwischendurch schnell aufs Handy gucken, oder auch die SmartWatch, ob wir noch eine Mail bekommen haben oder eine Textnachricht, oder einen wichtigen Newsfeed, oder ein unglaublich wichtigen Twitter. Das alles zerstückelt unsere Zeit. Wir können unsere Zeit nicht mehr am Stück bei einer Sache verwenden, z.B. einfach beim Nichtstun. Oder auch beim Entspannen und Gedanken schweifen lassen. Wir sind heutzutage so weit, dass wir ständig denken, wir würden etwas verpassen, wenn wir nicht alle Nachrichten sofort prüfen. Einfach mal "sein" ist heute nicht mehr en vogue. Wenn ich zurückdenke an meine Kindheit (als es noch keine Computer und Handys gab), dann ist es, als würde ich andauernd am Fenster lauern, ob noch ein Sonder-Brief im Briefkasten landet. Als würde es nicht reichen, morgen nach der Post zu gucken. Man ist angespannt, was kommt, und weiß seinen Leerlauf nicht zu schätzen. Wenn der Geist nicht auf das Nächste wartet, sondern einfach entspannt hier und jetzt "ist".

Insofern können wir unsere Freizeit nicht wirklich mit "Entspannen" nutzen, sondern sind ständig auf der Lauer und wachsam darauf, was wir vielleicht verpassen könnten. Selbst wenn man mit Freunden oder seiner Partnerin/ seinem Partner zusammen ist, hat man immer das Gefühl, man müsste noch mehr machen - als könnte man es sich nicht erlauben, den momentanen Augenblick zu genießen. Unser Leben kommt uns dadurch völlig beschleunigt vor. Entschleunigen, den Fuß vom Gaspedal nehmen, ist uns mehr und mehr fremd geworden. Je mehr wir vernetzt sind, desto mehr Informationen bekommen wir und haben gleichzeitig den irrsinnigen Anspruch, dieser gesamten, gewaltigen Informationsflut gerecht zu werden. Dabei ist das Kostbarste, was wir haben, unsere Lebenszeit. Helfen uns diese ganzen Mengen an Informationen, diese Zeit besser, genussvoller oder sinnvoller zu verbringen???

Natürlich, es gibt Situationen, da ist es wichtig, zeitnah zu reagieren. Wenn z.B. Andere auf Informationen von uns angewiesen sind, im Job eine wichtige Abstimmung ansteht, oder wir auf eine tatsächlich wichtige Nachricht warten. Aber sonst? Meiner Meinung nach sind wir viel zu befangen von all den Informationen, die uns alle mit dem großen Label "total wichtig" um die Ohren fliegen. Dabei sind bestimmt 90% davon nicht wichtig. Zumeist sind sie noch nicht einmal sehr informativ oder geben uns einen tieferen Einblick in unser eigenes Leben. Sie sind einfach eine nette Ablenkung… und ein gewaltiger Zeitfresser, welcher uns nicht mehr zur Ruhe kommen lässt.

Haben wir also heute weniger Zeit als früher? Ich denke nicht! Ich denke, dass wir uns die Zeit, die wir haben, nur viel zu sehr durcheinander bringen lassen durch "elektronische Diktatoren", welche einen viel zu großen Einfluss haben. Einfach mal das Handy und die SmartWatch beiseite legen, den Moment genießen und genau eine Sache machen, aber die voll und ganz. Dann hat man die Chance, seine Zeit neu zu erleben und zu entschleunigen...


Wie immer, wenn ihr Anregungen oder weitere Fragen dazu habt, schreibt mich an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! :)


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Boemian Rhapsody .....
Alltagstipp #4 - Atmung und Entspannung

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